"La Carte d'après Nature", Nouveau Musée National de Monaco, 2010

 


 

"La carte d'après Nature"
kuratiert von Thomas Demand 

18.09.2010 - 22.02.2011

Nouveau Musée National de Monaco



Von diesem Projekt werden mir immer die langen Zahlenkolonnen für die unterschiedlichen Zuschnittmaße in Erinnerung bleiben. Es sah am Schluss alles wie immer sehr einfach und reduziert aus, war aber ein großer Aufwand, das zu erreichen. Trotz aller Schwierigkeiten war es aber eines der interessantesten Projekte, die hier jemals gemacht wurden.

Im März kam Thomas Demand mit einer genialen Idee in die Werkstatt. Um die wirklich schwierig zu rahmenden Fotos von Luigi Ghirri zu zeigen, dachte er an eine Konstruktion aus leicht schräg zulaufenden Flächen, die mehr Architektur als Rahmen wäre. Alles, was bisher von Ghirri gerahmt zu sehen war, sah relativ bieder aus. An dem Muster, das er mitbrachte, sah man sofort, dass dies eine Lösung wäre. Das Problem war, dass es sich so nicht bauen ließ.

Die untere der beiden Zeichnungen links ist das Ergebnis der ersten 3D-Berechnung der Maße und Winkel für den Zuschnitt der vier Leisten für einen Rahmen. Es sollte 60 weitere Rahmen mit jeweils anderen Maßen geben.

Wir hatten uns für die Konstruktion des „Dreamhouse“ von Olafur Eliasson Anschläge für die Sägen bauen lassen, die Winkelschnitte mit 1/10-Grad Genauigkeit ermöglichten, aber auch damit gelang es nicht. Die erforderlichen Einstellzeiten, die Arbeitszeiten für Probeschnitte und den Umbau der Maschinen waren einfach zu lang und das Ergebnis trotzdem noch immer zu ungenau. Das erste Muster brauchte zwei Tage, und es war voraussehbar, dass auch die Serienproduktion mit unterschiedlichen Breiten, Längen und Winkeln die Zeit nicht verkürzen würde.

Wir sind dann schnell übereingekommen, das Ganze zu vereinfachen. Und dann wurden wieder Muster gebaut. Es wurden verschiedene Größen und Winkel gezeichnet, um damit erstmal die Anzahl der Muster auf die wesentlichen Unterschiede zu reduzieren. Ergebnis: Vier verschiedene Leistenbreiten und Neigungswinkel der Flächen, dazu Lösungen, wie die Wahrung des konversatorischen Aspekts möglich wäre, Grautöne für die Randeinfassung, Papiere für den Bezug der Flächen.

Über mehrere Wochen hinweg wurde das immer konzentrierter. Im Juli begann der Bau der Körper. Die in jedem Arbeitsschritt erforderliche Konzentration, um den Ausschuss zu erkennen und aus dem Kreislauf zu nehmen, war eine Herausforderung für die ganze Werkstatt. Es hat aber auch einen Riesenspaß gemacht, das Projekt Schritt für Schritt zu verwirklichen.

Und – kaum zu glauben – ich staune immer noch, wenn ich das Ergebnis sehe, und beispielsweise daran zurückdenke, dass wir immer wieder neue Wege gehen mussten, weil etwa beim Anfertigen der 4,5 mm breiten Holzleisten für die Einfassung mit einem 2 mm breiten Falz die Leisten vom Hobel zerfetzt wurden, oder weil das Belegen der schrägen Flächen mit Japanpapier auch von dafür geschulten Buchbindern und Lampenschirmbauern nicht bewältigt wurde.

In der im März 2010 eingerichteten Metallwerkstatt konnten wir dann auch die Konstruktion der pulverbeschichteten Metallsäule selbst machen, das hat einiges vereinfacht. Die letzte Abbildung links zeigt Rahmen aus Kastanienholz, die um die Säule herum befestigt sind. 12 cm lange, flache Stahlstifte ragen oben und unten in eine Nut an den Rahmen, sie sind zwischen diesen Stiften unsichtbar fixiert. Die von beiden Seiten sichtbaren Rahmen zeigen die Vorder- und Rückseiten eines Buches von Ghirri.